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08.07.2009

Kasachstan, ein Fazit

Vom 06.06. bis zum 30.06. war ich nun also in Kasachstan unterwegs. Zeit zu versuchen, hier mal meinen Eindruck zu schildern. Auch wenn es schon ueber eine Woche her ist (alter Mann und sein Gedaechtnis...) 
Alles in allem stehe ich dem Land positiv gegenueber. Auf der Plus-Seite stehen beeindruckende, vielfaeltige Landschaften, diese unendliche Weite der Steppe sollte man mal erlebt haben! Weiterhin sind die Menschen sind super hilfsbereit, besonders auf dem Lande in kleinen Doerfern. Immer wenn wir etwas gefragt hatten, wurde uns in der einen oder anderen Weise weitergeholfen.
Auf der negativen Seite steht allerdings, dass die schoensten Landschaften nichts nuetzen, wenn die Menschen nicht entsprechend damit umzugehen wissen. Ueberall liegt Muell herum, Sachen werden einfach aus dem Fenster geworfen, keinen interessiert das. "Das machen doch alle so." Ja ja, is klar. Was in Kasachstan weiterhin noch auffaellt, sind die Folgen durch den Zerfall der Sowjetunion und die derzeitige Finanzkriese. Es verotten Gebaeude an allen Ecken, Bauarbeiten werden nicht zu Ende gefuehrt, fast alle Leute sagen, dass frueher alles besser war...
Ich jedenfalls bereue nicht, dort gewesen zu sein, auch wenn ich nicht nur positive Erfahrungen gemacht habe. Auf der Erlebnisseite stehen naemlich auch ein Angriff durch besoffene Jugendliche in einem kleinen Dorf, wo Olaf mit einem dicken Holzknueppel nidergeschlagen worden ist. Weiterhin sind wir auf Trickdiebe in Almaty reingefallen, was aber eindeutig in die Kategorie "Eigene Dummheit" faellt. 
Ich kann Kasachstan denjenigen empfehlen, die ihren Urlaub etwas abenteuerlicher gestalten moechten und wenigstens etwas russisch sprechen. Ich kenne da eine sehr gute Lehrerin in Koeln bei Bedarf ;-)
Wie fuehle ich mich so nach bislang einem Monat Reise? Ich finde es ziemlich krass, was ich in einer so kurzen Zeit schon alles erlebt habe und bin daher sehr gespannt auf die zukuenftigen Geschehnisse! Allerdings vermisse ich auch viele Sachen zu Hause, besonders meine Freunde *drueck-Euch-alle*
Aber jetzt genug sentimentaler Quatsch, hier noch die letzten Erkenntnisse aus Kasachstan, bevor die naechsten Berichte aus Kirgistan kommen, wo ich ja nun auch schon etwas laenger bin:
  1. Hitler ist leider absoluter Deutschland Export-Erfolg. Jeder kennt ihn und komischerweise finden die Kasachen ihn alle toll... Suuuuuuper!
  2. Je kuerzer eine Reisestrecke ist, desto laenger dauert die Anfahrt...
  3. Kasachen koennen keine vernuenftige Pizza backen.
  4. Kasachen sind geschockt, dass ich mit 28 noch nicht verheiratet bin und wollen diesen Umstand immer SOFORT beseitigen...
  5. In Norwegen gibt es gratis Brustvergroesserungen! Haben uns jedenfalls zwei norwegische Reisende erzaehlt... Ich sollte meine Reiseroute aendern, um mich davon mal Vorort zu ueberzeugen.
  6. Шашлик ist absolut geil!!! *mjam*

4 Tage, 3 Naechte...


Sooo, dann wollen wir doch mal sehen, was diese Schneckenleitung hier im Internetcafe so hergibt. Zeit habe ich jetzt etwas zum Schreiben, aber leider sind die Internetverbindungen in Kirgistan soooo quaelend langsam, dass ich nicht weiss, ob ich hier Bilder hochbekomme... Falls irgendwer etwas Bandbreite uebrig hat, bitte herschicken!!! Danke wieder einmal...

Also wo war ich letztens stehen geblieben... Ach ja, Olaf und ich hatten Schnauze voll von Stadt, also sind wir in den ca. 350km entfernten kasachischen Teil des Tien Schan Gebirges geduest, um uns dort fuer 4 Tage und 3 Naechte die Beine zu vertreten. Ziel waren die 3 Kol-Saj Seen. Da genug Anstrengungen vor uns lag, haben wir uns luxurioes bis zum ersten See auf ca. 1700m Hoehe fahren lassen. Das Auto war so alt, das es bestimmt schon im ersten Weltkrieg im Einsatz war... Zusammen mit seinem Besitzer! Angekommen haben wir erstmal beim Fahrer unser Marschgepaeck erleichtert, so nuetzliche Dinge wie Handyladegeraet, Buecher ueber Sibirien und meine russischen Lernutensilien braucht man nicht wirklich im Gebirge. Behaupte ich jetzt einfach mal so. Frohen Mutes wollten wir dann also losziehen. Netterweise hat es genau in diesem Moment zu regnen angefangen. Waere ja sonst auch langweilig gewesen...

Also sind wir halt durch den Regen zum 2. See auf ca. 2200m Hoehe gestapft. Da uns dies fuer den ersten Tag genug Anstrengung war (man ist ja nicht mehr der Juengste...) haben wir uns ein nettes Plaetzchen gesucht und das Zelt aufgebaut:


Ziel am naechsten Tag war dann der 3. See auf guten 2700 Hoehenmetern. Nach lockeren 4 Stunden Marsch sind wir dort auch bei strahlenden Sonnenschein angekommen und haben wieder Glueck gehabt, ein flauschiges und ruhiges Plaetzchen (nein, KEINEN Keks!) zu finden:


Ganz urspruenglich hatten wir mal geplant, vom 3. See aus ueber den Sarybulak-Pass zu Fuss nach Kirgistan zu wandern. Bloederweise ist dieser Grenzuebergang fuer uns illegal und kirgisische Gefaengnisse von innen zu betrachten stand dann doch nicht auf der to-do Liste. Aber da wir ja zwei stramme Burschen sind, haben wir eine aehnlich stressige Tortur auf uns genommen, wenigsten oben auf den Pass (3300m) zu trekken und nach Kirgistan zu blicken. Der Anstieg gestaltete sich dann auch recht heftig, aber letzten Endes:


Und was macht man so Ende Juni in 3300 Meter Hoehe aufm Berch? Na klar, einen Schneemann bauen :-)


Rechts im Hintergrund ist uebrigens schon Kirgistan zu sehen, haetten also nur noch den Berg wieder runter gehen muessen und waeren schon am Ziel angekommen. Aber neeeeiiiin, die liebe Buerokratie mag das ja nicht, pah... Also sind wir wieder zurueck zum 2. See, haben dort noch eine Nacht verbracht und sind dann am naechsten Tag zurueck zum 1. See, natuerlich im stroemenden Regen. Waere ja sonst auch langweilig... Falls ich das noch nicht erwaehnt habe.

Bei der Rueckfahrt ins Dorf durften wir uns noch davon ueberzeugen, dass Kasachen pflichtbewusst an strategisch wichtige Postitionen absolut sinnvolle Verkehrsschilder aufstellen...

Wie gewohnt moechte ich folgende Erkenntnisse zum Besten geben, die ich auf dieser Tour gelernt habe:
  1. Bergseen auf 2700m Hoehe sind verdammt verdammt kalt!
  2. Vielen Dank an Sina fuer die Wollsocken, die ich schon viel zu oft benutzen musste...

  3. Ab 3000m Hoehe wird die Luft schon merklich duenner... Oder ich bin einfach nur ein Weichei.

  4. Und die Sonne brennt auch ganz schon da oben, schoenen Gruss vom Sonnenbrand!

Sooooo liebe Kinder, um den ganzen langweiligen Kram hier mal ein bischen aufzulockern an dieser Stelle noch ein Abschluss-Quiz! Wer mir als erster erklaert, um was fuer eine Geraetschaft es sich auf dem folgenden Bild handelt erhaelt eine Postkarte von mir!


Morgen werde ich dann noch ein Fazit von meiner Zeit in Kasachstan zum Besten geben. Also bis denne mal! Und Schuess.

19.06.2009

Dinge, die man mal getan haben sollte... Oder auch nicht

Hier abgekuerzt einfach mal die sonstigen Highlights der letzten zwei Wochen:

  • Mit einem 70er Jahre Motorrad inkl. Beiwagen mit dem Parkranger durch die Kasachische Steppe duesen
  • Sich am Bahnhof ueber eine Stunde von der Polizei filzen lassen, alle seine Sachen auf dem Tisch ausbreiten muessen und immer schoen stur auf "ich verstehe kein russisch" machen
  • Mit kasachischen Nachwuchs-Biathleten in einem russischen LKW durch den Schlamm 1,5h einen Berg hoch zu fahren, oben dann im Schnee eine Runde Ski-Langlauf geniessen und dann wieder runter zu duesen
  • Versuchen, in einer kasachischen Stadt irgendetwas zu finden...
  • Trampen + Wildcampen im westlichen Altaigebirge
  • Trekking mit 20 Kilo Gepaeck waehrend es regnet und danach sogar noch schneit
  • Uebernachten bei einer бабушка (Oma) in einem verlassenen und verschlamten Dorf
  • Terminator 4 im Kasachischen Kino schauen

Hieraus abgeleitete Erkenntnisse:

  1. Der Polizei in Pawlodar ist ziemlich langweilig
  2. Der Westliche Altai soll das regenreichste Gebiet Kasachstans sein. Das kann ich hiermit bestaetigen!
  3. Preise: 1L Diesel = 30Cent; 0,5L Bier = 50 Cent; 0,5L Vodka = 1,50 Euro
  4. Navigieren in russischen\kasachischen Staedten ist SEHR schwierig und zeitaufwendig
  5. Reisen allgemein in Kasachstan dauert nahezu ewig...
  6. Internet ist nicht wirklich verbreitet auf dem Lande, selbst in der Stadt ist es schwer zu finden
  7. Die Menschen sind im allgemeinen sehr hilfsbereit, haben aber oftmals selbst absolut keinen Plan
  8. шащлик (Schaschlik) ist sowas von lecker!!!
  9. Schneballschlachten sind selbst Mitte Juni auf der Nordhalbkugel moeglich
  10. Im kasachischen Kino laeuft keine Werbung, aber auch der Abspann wird eingespart
  11. Popcorn gibt es in den Varianten salzig, Erdbeer- und Waldmeistergeschmack

I am walking...

So, jetzt habe ich etwas mehr Zeit. Dieses daemliche Internet"cafe" hat allerdings keinen Cardreader, so dass ich immer noch keine Fotos hochladen kann *argh* Naja, muesst Ihr halt mit Text vorlieb nehmen...

Ist natuerlich tierisch viel passiert die letzten zwei Wochen. Ich versuche so nach und nach mal einige Highlights aufzuzeigen. 

Anfang letzter Woche habe ich mich ja von Astana aus auf den Weg nach Bayanaul gemacht. Dort bin ich fuer eine Woche bei einer Amerikanerin aus dem Peacecorps untergekommen. Was war das erste, das sie mir gesagt hat? "Nachher kommt noch ein Reisender aus Deutschland vorbei!" Man man, die Welt ist klein und die Deutschen sind echt ueberall zu finden, selbst im letzten Kaff in Kasachstan. Vorteil dieser Sache: Seit letzter Woche Montag reise ich zusammen mit Olaf aus Berlin durch Kasachstan. Netterweise spricht er nahezu perfekt russisch, was viel doch sehr vereinfacht... 

Die Unterkunft selbst war eine so genannte Дача (Datscha), ein Sommerhaus. In dieser besonderen Auspraegung sogar ohne fliessend Wasser inkl. klassischem Plumps-Klo... Wasser wird aus dem Brunnen per Eimer ans Tageslicht befoerdert...

Unsere erste Aktion in Bayanaul war ein kleiner Trekking-Marsch in der Umgebung. Hierzu folgende Fakten:

  • Gelaufene Strecke ca. 40km
  • Dauer der Aktion: 12h
  • Dabei zwei Berggipfel erklommen, der hoehere war 1.027m
  • Stellenweise Freeclimbing-Passagen im 3-4 Schwierigkeitsgrad...
  • Anzahl der gezaehlten Muecken unterwegs: 1.000.000.000
  • Anzahl Mueckenstiche: 1.237
  • Dadurch Blutverlust: Mindestens 1 Liter
  • Anzahl Blasen an den Fuessen nach der Wanderung: 7

Gewonnene Erkenntnisse:

  1. Die Deutschen sind ueberall
  2. Meine Trekking-Schuhe waren noch nicht eingelaufen
  3. Muecken sind die absolut ueberfluessigstens Tiere dieser Welt!
  4. Wenn man Anti-Mueckenspray besitzt, sollte man es auch benutzen...

18.06.2009

Da isser wieder...

...wenn auch nur kurzzeitig! Habe endlich mit Muehe und Not ein Internetcafe gefunden, nur macht das leider in 10 Minuten dicht... Aber ich werde morgen noch mal wieder kommen und mit viel Glueck auch ein paar Fotos hochladen!

Daher vorerst nur kurz und buendig:

Ja, ich lebe noch! ;-)

06.06.2009

Excuse me, where is Borat...

Man, da bin ich doch tatsaechlich in Kasachstan... Also heute vor einem Jahr haette ich mich damit selbst fuer verrueckt erklaert ;-)

Nach einer nur 12-stuendigen Zugfahrt bin ich heute vormittag in der Hauptstadt Astana angekommen. Ich habe mich sogleich auf den Weg gemacht, die Stadt zu erkunden. Diesmal allerdings ohne Begleitung. Etliche Kilometer, geschaetzten 100 Bildern und einem tierischen Sonnenbrand spaeter kann ich sage: Sehr nett anzuschauen! Man merkt, dass diese Hauptstadt noch sehr jung ist, allen Ortens kann man brandneue Gebaeude begutachten und alles ist sehr sauber. Borat habe ich allerdings nirgends gesehen...

Untergekommen bin ich in einem kleinen Hostel direkt am Bahnhof. Ich habe es dann heute auch tatsaechlich alleine geschafft, mir ein Zugticket fuer die Weiterfahrt fuer morgen zu kaufen!!! *auf-eigene-Schulter-klopf* Das wird noch was mit meinem russisch!

Meine gesammelten Erfahrungen wie gewohnt in Kurzform, bin halt Naturwissenschaftlicher und keine Labertante ;-)

1. Russische Zuege machen im Sommer problemlos jeder Sauna Konkurrenz! Aufguss braucht man aufgrund der vielen Leute auch nicht.

2. Mein Gepaeck ist einfach zu schwer, man man...

3. Плацкарты (einfachste Klasse im Zug) kann sehr kommunikativ und interessant sein! Hatte zum Glueck ein Maedel vor mir, das unbedingt ihr englisch ueben wollte.

4. Die Grenzkontrollen von/nach Russland sind ueberhaupt kein Problem, ein deutscher Pass scheint seine Vorteile zu haben...

5. Meine Sandalen verursachen ziemlich schmerzhafte Blasen an den Knoecheln :-(

6. Ich mache viel zu viele Fotos...

7. Mein Satelliten/Messenger ist in der Stadt eher unpraktisch.. Hoffentlich kann ich gleich noch eine Mail absetzen!

Morgen geht es auf Richtung Bayanaul. Ein kleines Kaff mitten in der kasachischen Pampa :-)